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Menschen, Bücher, Rezensionen – Theorie und Taxis

Tom die „alte Leseratte“ hat für uns wieder eine Perle der Literatur gefunden und stellt sie Euch vor.

Heute „Theorie und Taxis – Auswege aus der Philosophie“ aus dem Carlsen Verlag

Tom - Theorie und TaxisPhilosophie. Hm. Damit hab ich eigentlich nicht so viel am Hut. Zwar kenne ich einige Philosophen und ihre berühmtesten Sprüche, aber ich orientiere mich doch eher an meiner persönlichen Pseudo-Philosophie („Lieber den Magen verrenken, als dem Wirt was schenken“ usw.) oder halte es mit dem wohl berühmtesten Sokrates-Klassiker: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Und ich frage mich, wie man so etwas dann auch noch studieren kann. Das stelle ich mir furchtbar öde vor. Sitzt man dann den ganzen Tag vor einem Glas und fragt sich, ob das nun halb leer oder halb voll ist? Womöglich reicht ein Tag gar nicht aus, um solch eine bedeutungsschwangere Frage beantworten zu können… Nene… Philosophie ist für mich ungefähr genauso spannend wie Fußball… nämlich gar nicht. Aber als Sebastian 23 mich dann fragte, ob ich eine Rezension zu seinem neuen Buch „Theorie und Taxis – Auswege aus der Philosophie“ verfassen könnte, habe ich natürlich keine Sekunde gezögert. Ich wusste zwar, dass es in dem Buch hauptsächlich um Philosophie geht, aber wenn Sebastian 23 etwas darüber schreibt, dann kann man davon ausgehen, dass das ganze höchst amüsant und unterhaltsam ist, auch für Menschen, die sich für die eigentliche Thematik nicht unbedingt begeistern können. Und ich wurde natürlich nicht enttäuscht, soviel darf schon mal verraten werden.

Der Autor ist bezeichnenderweise selbst studierter Philosoph, und wie die meisten Leute wissen, landen solche Absolventen dann in der Regel entweder beim Arbeitsamt, in einer Tonne oder als Fahrer in einem Taxi. Sebastian 23 jedoch war etwas geschickter und hat die Kunst des Philosophierens gekonnt in seine Karriere als einer der erfolgreichsten und besten Poetry Slammer Deutschlands einfließen lassen. Die Sache mit dem Taxi hat er einfach auf seine neue Romanfigur Paul Borchert übertragen, um die es in dem Buch geht. Dieser Paul Borchert beschäftigt sich neben seiner Fahrtätigkeit – die mehr schlecht als recht ist und sich erstaunlich oft auf das Ansteuern des Hauptbahnhofes sowie das ominöse Gleis 4 mit dem Zug nach München beschränkt – mit den wichtigen Fragen des Lebens, welche er gern mit seinen Fahrgästen diskutiert (wobei die Meinung seiner Kunden für ihn jedoch eher zweitrangig ist). Jedes Kapitel des Romans setzt sich jeweils mit einem anderen Thema auseinander. Beispiele: „Glaubst Du an den Unterschied zwischen Wissen und Glauben?“, „Ist der Unterschied zwischen Geist und Materie eigentlich materiell oder geistig?“, „Ich komm aus Bochum – woher kommt das Universum?“ Aber auch mit solch profanen Themen wie Leben, Glück, Freundschaft oder Liebe setzt sich der Protagonist weise und schelmisch zugleich auseinander.

Doch bevor hier jemand zusammenzuckt, weil er glaubt, er habe es mit einem weiteren ermüdenden Nachschlagewerk der Philosophie zu tun: mitnichten! Denn Sebastian 23 geht diesen Fragen auf eine höchst humorvolle Art und Weise auf den Grund, und die Auflösungen – oder auch der Weg dahin – sind nicht selten herrlich skurril und absurd und haben mich königlich amüsiert. Die Quartett-Karten, die im Buch abgedruckt sind, und auf denen diverse Philosophen kategorisch eingeteilt und unter Charakteristika wie Bart, Bücher, Ableben, Google-Hits usw. vorgestellt werden, bieten ebenfalls eine weitere illustre und originelle Bereicherung. Woher nimmt dieser Mann nur seine Ideen… Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Autor es einfach versteht, diese trockene Grundthematik mit seinem bekannten Gespür für Tiefgang, intelligentem Witz und einer großen Portion Charme zu würzen, für die man ihn so bewundert. So bringt er einem nicht nur philosophische Ideen verständlich und mit viel Esprit näher, sondern deckt dabei auch noch ein sehr wesentliches Problem in unserer Gesellschaft auf: das Grübeln ist heute bei vielen aus der Mode gekommen. Doch zum Glück gibt es Menschen wie Sebastian 23, die das für uns übernehmen, und das auf eine extrem unterhaltsame und heitere Weise. Uneingeschränkt empfehlenswert für Philosophen, Hobby-Grübler und Freunde feinsinnigen Humors.
(Text: Tom Wunram – www.wunrams-welt.de)