Artikel

Buch der Woche – 20.02.2012 bis 25.02.2012

Diese Woche präsentieren wir Euch ein Buch vom „worthandel : verlag“ und sagen damit auch: Willkommen im KingKing Shop worthandel : verlag!

„Das Meer in Erwartung der Schwimmer“ Erzählungen von Peter Leonard.

(Foto: worthandel : verlag)Über das Buch (worthandel : verlag):
Das besondere an Peter Leonards Texten ist, dass er so echt schreibt, Dialoge wie gerade notiert. In augenblicklicher Abfolge. Seine Dialoge stehen einfach da, mitten im Text, unvermittelt im Raum. Wirken nicht erfunden, nicht hölzern. Wie man wirklich denkt. So steht es da.

Die Gedankenabfolge wie in Wirklichkeit, wenn wir nach Worten suchen im Gespräch; uns unsicher sind, uns verbessern. Auch, was wir vielleicht lieber nicht gesagt oder gedacht hätten. Das kommt hier vor, das wird benannt.

Wir sind seine Figuren. Leonard zeigt wie mit einem Scheinwerfer auf einen Ausschnitt irgendeines Lebens, irgendeines Momentes. Mit eingeflochtenen Erinnerungen.

[…]

„Das Meer in Erwartung der Schwimmer“ ist nicht nur ein absolut empfehlenswertes Debüt sondern die Entdeckung eines neuen Autors.

Deshalb sind die neun Geschichten in seinem Debütband im Flattersatz belassen; deshalb, weil Gedanken nicht in Textblöcken zu fassen sind, weil sie einzeln kommen, hintereinander, mit Denkpausen.

Auszug aus dem Buch (worthandel : verlag)

Der erste Tag, die erste Nacht Du lernst ihn auf einer von Davids Partys kennen.
Er ist alt. Er mißt ungefähr einsfünfundsechzig.
Du überragst ihn.
Er heißt Roman.
David klopft ihm auf die Schulter. Das ist dir fremd.
Er macht das nie, nicht einmal mit dir.
Roman kommt aus Ungarn, sagt David. Und sagt nichts damit.
Du nickst. Deine Augen leuchten.
Hallo, sagt Roman. Sein Bauch spannt. Sein Haar ist strähnig.
Er gibt dir die Hand, energisch.
Es ist Winter, doch er trägt nur ein Hemd. Mit kurzen Ärmeln.
Auf einem Unterarm hat er eine Tätowierung.
Eine Rose. Ohne Dornen. Es fällt dir auf.
Ihr steht zusammen, David geht. Einfach so.
Warum bist du hier, fragt Roman. Die Tätowierung zuckt. Er hat kräftige Muskeln.
Das Licht ist blau; abgedunkelt.
Dein Gesicht liegt im Schatten, gut so. Du magst Davids Partys.
Trotzdem hast du nie mit ihm geschlafen.
Hat sich nicht ergeben, irgendwie.
Ist ein warmer Ort, antwortest du. Roman lacht. Seine Zähne sind grau.
Er deutet zur Couch, macht einen Schritt.
Du folgst ihm.
Was machst du, fragst du über seine Schulter.
Aus dem Hemdkragen wachsen Haare. Schwarz; buschig.
Ich bin Maler, sagt er.
Ihr setzt euch.
[…]