Artikel

Buch der Woche

Diese Woche gibt es mal wieder etwas Rock`n`Roll in Buchform. HF Coltellos „Einige Abenteuer und seltsame Begegnungen im Leben des Stillen Kommandeurs“ aus dem Salis Verlag ist purer Rock`n`Roll in Buchform.

Und auch die gute Frau Pö war wieder fleissig und hat es für euch gelesen. Wie sie es fand, könnt ihr wie gewohnt weiter unten lesen.

Über das Buch (Milena Verlag):
Der stille Kommandeur und Ausnahme-Gitarrist hat meist alles unter Kontrolle. Was man von seinen Mitstreitern wie dem Hundzköter, Fucking Steve Hahn oder dem smarten Biene nur bedingt behaupten kann. Zusammen schreiben sie trotz allem ein Stück deutsche Rock’n’Roll-Geschichte und lassen keinen Zweifel dran, dass sie Typen wie Herrn Lehmann schon zum Frühstück verspeisen. HF Coltello lässt in seinem ersten Roman den wahren Rock’n’Roll in Deutschland aufleben. Und das mindestens so lustig wie bei den »Freak Brothers« oder bei Kaurismäkis »Leningrad Cowboys«.

In einem gnadenlos direkten und witzigen Schreibstil erzählt HF Coltello hier ein Stück deutsche Undergroundgeschichte. Echte Musik. Süddeutschland, das alte Westberlin, der Fall der Mauer. Die Szene in Kreuzberg, in der sich die verrückten Protagonisten tummeln. Mit ihnen zusammen oder alleine betreten Coltello und seine Gitarre unablässig neue, stets eigenwillige und nicht nur musikalische Welten, in ganz Europa, den USA, Asien, Südamerika oder im Nahen Osten.

Ein Roadmovie eben.
Ein Roman über den wahren Rock’n’Roll.

Frau Pö findet:
HF Coltello ist unbestritten ein großartiger Gitarrist, der auf den sechs Saiten seines Instruments ganze Geschichten erzählen kann. Zumindest lautmalerisch ist es von Saiten zu Seiten nicht weit, und dass er auch Seiten mit Leben füllen kann, will sein neuer Roman zeigen. Der ist mit dem überlangen Titel Einige Abenteuer und seltsame Begegnungen im Leben des Stillen Kommandeurs ausgestattet. Aber wenngleich es zwar orthografisch nicht weit von Saite zu Seite ist, lehrt die Praxis etwas anderes. Was HF Coltello nicht schafft ist es, über die 399 Seiten eine fortlaufende, aufeinander aufbauende Erzählung zu spannen. Wahrscheinlich hat er sich auch deshalb entschieden, im Buch kurze Episoden aus seinem Leben zu erzählen. Das war eine weise Entscheidung, denn die kurzen Schlaglichter, die chronologisch aneinandergereiht sind, machen Spaß und vor allem sind sie authentisch. „Übersetzt“ ins Sächsische, Berndeutsche und Schwäbische sind es meistens Dialoge, mit denen Coltello die wilde Anfangszeit des Musikerlebens erzählt. Eine Zeit, die nie aufhört, nicht bis zum Ende des Romans. Und auch nicht, wenn der Protagonist zwischendurch in die obligatorische Leere fällt. Was an dem Roman fiktiv ist, was reale Erinnerungen eines Musikers, kann ich nicht sagen. Die Geschichte trägt aber zum Mythos des Rockstars bei. Auch wenn nicht alles glänzt, was Coltello erzählt, so ist es doch ein Lebensentwurf, von dem jeder Musik-Fan in uns träumt: Freiheit, Reiseabenteuer, Sex, Drugs und natürlich ganz viel Rock´n´Roll. (Und chronische Geldknappheit, ungepflegtes Auftreten, nagende Zweifel und sinnentleerte Tage – wie im richtigen Leben vergisst man die aber ebenso schnell wie den Alkohol, den man am vorigen Abend getrunken hat.)