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Buch der Woche – 08.08.2011 bis 13.08.2011

Diese Woche kommt unser Buch der Woche aus dem Ventil Verlag. Zuckerbabys von Kerstin Grether.
Und wieder hat es Frau Pö für euch gelesen…
Doch jetzt wieder zum Buch der Woche:

Über das Buch(Ventil Verlag):
„Zuckerbabys“ ist ein Roman über das aufregende – und aufzehrende – Leben in der heutigen Casting-Gesellschaft. Alles dreht sich um eine Horde abenteuerlustiger Mädchen, die mehr wollen, als das Leben auf den ersten Blick bereit ist herauszurücken. Sonja ist besonders hungrig, denn sie will Sängerin werden. Aber da hat sie nicht mit der sadistischen Spannkraft der modernen Medien-Bilder gerechnet. Tag und Nacht hauen sie ihr die bildhübschen, künstlich-mageren Sängerinnen nur so um die Ohren. Bis Sonja taub ist für die Musik und statt Liedern Bilder singt. Bis Sonja durch alle Phasen einer Magersucht gerissen wird.

Frau Pö findet:
Am Anfang liest sich das Buch wie „Schokolade zum Frühstück“ mit einer hipperen Protagonistin in einem hipperen Umfeld mit eingestreuten hippen Songtextzeilen. So hip, so unaufregend. Sonja findet sich zu dick, nicht kreativ genug für „die Szene“, will den Rockstar, der sie nicht will und fühlt sich neben ihren kreativen, dünnen und erfolgreichen Freunde dumm und dick und fehl am Platz. Irgendwo habe ich das alles schon einmal gelesen.
Aber dann packt es mich: kreativer könnte man schließlich selber sein, selbstbewusster auch und die Freundin gegenüber, ist die nicht hübscher als man selbst? Und man wird hineingesogen in Sonjas Gehirnwindungen. Je selbstgefälliger (und dünner) Sonja wird, desto mehr hasst man sie und sich gleich mit, schließlich sind all diese Gedanken schon selbst gedacht und durchdacht worden.
Kerstin Grether hat ihr Netz ausgelegt, naiv ist man hineingestolpert und nun beginnt sie ihren Fang wieder einzuholen: Man liest und liest und will endlich ein Happy End für Sonja – und für sich.

Sonja hat inzwischen das gemacht, was jeder, wirklich jeder, eigentlich weiß, dass man es nicht tut: Sie hat sich blenden lassen von den schönen Mädchen in den Magazinen (dabei arbeitet sie in einer Bildagentur und photoshopt die Models), von den scheinbar erfolgreichen Freunden, vom nicht vorhandenen Selbstbewusstsein. Sie ist in eine Magersucht abgerutscht, denk nur noch nach über Äpfel, Spinat, Kniebeugen und Kleidergröße 32. Mit ihren verschwundenen Kilos verschwindet sie selbst aus dem Leben. Und reflektiert das Verschwinden ohne sich dagegen zu wehren. Kerstin Grether (be)schreibt dieses ambivalente Gedankenkonstrukt so passend, dass man erst gar nicht bemerkt, selbst nicht magersüchtig zu sein.

Weil Sonja denkt und weil Sonja „unsere“ Gedanken denkt, ist das Buch einfach zu lesen: Keine hochtrabenden Sätze, keine philosophischen Diskurse – dafür eine einfache, mitreißende Erzählung, die das Gefühl auf den Punkt bringt. Und wenn man mal zwei bis fünf Sätze überliest, nicht schlimm, einen poetischen Kniff hat man nicht verpasst und inhaltlich findet man sich auch schnell zurecht. Das perfekte Buch für Kurzvormeinschlafen.

Ob das Buch auch bei Männern funktioniert? Ich weiß es nicht. Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow sagt zwar, es sei ein Buch für alle, aber er das wirklich glaubt oder Kerstin Grether nur einen Freundschaftsdienst erwiesen hat … ich glaube eher letzteres

Pressestimmen:
»Kerstin Grether bleibt, wie ein neidischer Kollege einst am Rande der Frankfurter Buchmesse murrte, ›die Susan Sontag der deutschen Popkritik – ernst beim Spaß, aber nicht halb so langweilig wie wir anderen, die das auch dauernd versuchen‹.«
– Dietmar Dath / FAZ

»Kerstin Grether hat einen Roman im besten Sinne geschrieben: So wie ein guter Song mit packenden Akkorden auf das Leben selbst zielt […]. Das Leiden der jungen Männer, meist auf der Suche nach Liebe, ist oft beschrieben worden […]. Grether hat in Zuckerbabys nun endlich das Gegenmodell entworfen, so einfühlsam wie analytisch:
Es ist das Drama der Mädchen, die sich ganz ohne Männer selbst zerstören, allein mit ihrem Spiegel und der Frauenzeitschrift.«
– Elke Buhr / Frankfurter Rundschau

2 Kommentare

  1. Pingback: zucker vor dem schlafengehen | Frau_Pö

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