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Fangen wir gleich mal mit einem Buch an.
„Purer Unfug“ von Sebastian 23
Und das Beste, dafür gibt es auch noch eine Rezension.
Tom hat sich das Buch „vorgenommen“ und ist zu diesem Ergebnis gekommen:

1422644_556846521074381_1179902781_nDer Mann mit der Mütze hat wieder zugeschlagen. Der Tausendsassa aus dem Ruhrgebiet hat sein neuestes Buch mit dem aussagekräftigen Titel „Purer Unfug“ veröffentlicht. In der Justiz gab es früher den Begriff „Grober Unfug“, welcher mittlerweile umbenannt wurde in „Belästigung der Allgemeinheit“. Sebastian 23 möchte mit seinem neuen Werk jedoch weniger zur Belästigung, sondern vielmehr zur Belustigung beitragen. Und das ist ihm vortrefflich gelungen.

1456947_556846517741048_982945587_nMit „Purer Unfug“ greift er dabei eine Idee auf, die zugegebenermaßen nicht ganz neu ist, aber die Umsetzung kann dennoch als äußert gelungen bezeichnet werden. Doch worum geht´s? Das Buch bietet eine Vielzahl an Fotos, die der Autor, Poetry-Slammer, Moderator, Fotograf, Kabarettist, Musiker und Filmstar („Dichter und Kämpfer“) in den letzten Jahren im Rahmen etlicher Bühnenauftritte in ganz Deutschland geknipst hat. Sebastian 23 ist (unverständlicherweise) bekennender Fan der Deutschen Bahn und hatte so die Möglichkeit, sich in den vielen Städten, in denen er als Künstler auftreten durfte, etwas genauer umzuschauen. Dabei sind etliche Schnappschüsse und Momentaufnahmen entstanden von Gegenständen und Situationen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht immer erkennen lassen, warum sie denn den Weg in das Buch geschafft haben. Doch schaut man einmal etwas genauer hin und liest die jeweiligen Kommentare des Autors, ergibt sich aus dem abgebildeten Unsinn doch immer auch irgendein Sinn, so unsinnig das jetzt auch klingen mag. Und das ist bei den Unmengen an Fotos immer äußerst erheiternd.

1464822_556846511074382_645684520_nÜberhaupt ist es unglaublich und beneidenswert, mit welchem Adlerauge und Gespür Sebastian 23 seine Umgebung wahrnimmt. Er erkennt immer das Wesentliche, erfasst skurrile Situationen, an denen die meisten von uns vermutlich unbekümmert vorbeigegangen wären. Ob es sich dabei um fragwürdige Werbeanzeigen handelt oder sinnbefreite Verkehrsschilder, vor punktgenauen Beobachtungen des Autors ist nichts sicher. Mein persönlicher Favorit ist übrigens eine überdimensionale Pommestüte, die nach dem Genuss von Crystal Meth ganz eindeutig ihrem sozialen Abstieg entgegensteuert. Sebastian 23 blickt hinter die Fassade und hält der Gesellschaft damit ganz bewusst einen Spiegel vor. Er „begegnet dem Unfug da, wo er passiert: überall“. Und dies äußert sich nicht nur in seinen Fotos und den Begleitkommentaren, sondern auch in seinen längeren Texten, die zwischen Absurdität und politischer Verdrossenheit immer messerscharf und pointiert ins Schwarze treffen und diesem Buch eine ganz besondere Note verleihen. Mir ist das Lachen nicht nur einmal im Hals steckengeblieben. Ich sag nur „Frankfurt“…

1420416_556846514407715_740255043_nWenn der Autor im Untertitel des Buches sein eigenes Werk als „Quatsch“ bezeichnet, dann kann ich nur sagen: in unserer Gesellschaft gibt es gar nicht genug Quatsch (damit meine ich allerdings keine politischen Fehlentscheidungen). Bitte mehr davon! Ich hoffe, die angedeutete Fortsetzung wird alsbald in die Tat umgesetzt, genug Anschauungsmaterial scheint ja vorhanden zu sein. Ich spreche jedenfalls eine ganz klare Kaufempfehlung für diese äußert gelungene Symbiose aus Fotos und Texten aus. Auch ideal als Weihnachtsgeschenk geeignet, hier kann man eigentlich nichts falsch machen. Wo die meisten Bücher nach einmaligem Lesen im Regal verstauben, lädt „Purer Unfug“ doch zum wiederholten Genuss ein.

Übrigens stellt sich im von Torsten Sträter erfassten Vorwort heraus, dass Sträter nichts anderes ist als eine der Fantasie von Sebastian 23 entsprungene Kunstfigur. Das ergibt für mich durchaus Sinn, und unterstreicht noch einmal den Eindruck, dass der Schöpfer doch oft das eigentliche Genie ist… Chapeau, Herr 23!
(Text: Tom Wunram Tom Wunram; Fotos: Sebastian 23)